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Erektile Dysfunktion (Potenzstörung, Erektionsstörung, Impotenz)

Was hilft, wenn Mann im Bett nicht mehr kann? Mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie von Potenzstörungen


Flaute im Bett? Gegen Erektionsstörungen gibt es Behandlungsmöglichkeiten

Was ist eine erektile Dysfunktion?

Erektile Dysfunktion (ED) bedeutet, dass ein Mann in mehr als zwei Dritteln der Fälle keine Erektion bekommen oder aufrecht erhalten kann, die für einen Geschlechtsverkehr ausreicht. Der Penis wird nicht hart genug oder erschlafft vorzeitig. Diese Probleme bestehen über mindestens sechs Monate. Wenn es also hin und wieder einmal "nicht klappt", handelt es sich noch nicht gleich um eine behandlungsbedürftige Störung.

Mit dem Alter wird die erektile Dysfunktion häufiger. Unter den 40- bis 49-Jährigen ist knapp jeder zehnte Mann betroffen, unter den 60- bis 69-Jährigen bereits jeder dritte. Das zeigte eine Untersuchung der Universität Köln im Jahr 2000. Experten vermuten, dass es eine große Dunkelziffer gibt. Die tatsächlichen Zahlen könnten also noch höher liegen.



UNSER EXPERTE: Professor Dr. med. Christian Stief, Facharzt für Urologie

In der Mehrzahl der Fälle stecken körperliche Ursachen hinter Erektionsstörungen. Rein psychische Auslöser kommen vor allem bei jüngeren Männern vor.

Auch wenn es sich um ein sehr privates Problem handelt, ist Scham unangebracht. Betroffene sollten sich nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen. Zwei Gründe sprechen dafür:

Zum einen ist in den meisten Fällen eine erfolgreiche Therapie möglich. Der Arzt kann Medikamente verschreiben, sogenannte Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer). Daneben gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten.

Zum anderen kann die Störung – vor allem jenseits der 50 – ein Warnhinweis auf einen drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Denn hinter einer erektilen Dysfunktion steckt nicht selten eine "Verkalkung" (Arteriosklerose) der Blutgefäße, die den Penis mit Blut versorgen. Diese Arteriosklerose macht vor anderen Gefäßabschnitten im Körper nicht halt. Die Blutgefäße, die Herz und Gehirn mit Blut beliefern, könnten ebenfalls betroffen sein. Im schlimmsten Fall droht dann ein Herz- oder Hirninfarkt. Wird eine Arteriosklerose früh erkannt und behandelt, sind solche ernsten Folgen oft vermeidbar.

Erektile Dysfunktion heißt umgangssprachlich auch Potenzstörung oder "Impotenz". Der letztere Begriff war früher in der Medizin gebräuchlich, wird heute aber nur noch selten verwendet. Denn er wirft verschiedene Störungen "in einen Topf", die nicht zwangsläufig zusammengehören: Zum einen Erektionsstörungen wie erektile Dysfunktion oder vorzeitiger Samenerguss, zum anderen die Unfruchtbarkeit, also die Unfähigkeit, Kinder zu zeugen (Sterilität).


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Experten-Sprechstunde mit Professor Rassweiler und Dr. Hruza

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler,  Facharzt für Urologie und spezielle operative Urologie, medikamentöse Tumortherapie, Andrologie


 

Dr. Marcel Hruza



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Was untersucht der Arzt vor Therapie einer Erektionsschwäche?

Vor der Behandlung einer Erektionsschwäche (erektile Dysfunktion) sollte bei jedem Patienten eine genaue ärztliche Untersuchung erfolgen, um mögliche Ursachen abzuklären.

Dazu gehören:

  • Ausführliches ärztliches Gespräch, bei dem alle denkbaren Risikofaktoren (Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Erkrankungen des Nervensystems, psychische Erkrankungen und/oder Belastungen, urologische Vorerkrankungen, Rauchen, Alkohol, Drogengebrauch) erhoben werden müssen;
  • Abklärung der vom Patienten eingenommen Medikamente (einige haben Nebenwirkungen im Bereich der Sexualfunktion), zum Beispiel Betablocker;
  • Körperliche ärztliche Untersuchung;
  • Blutabnahme: Blutzucker, Nieren- und Leberwerte, Cholesterin, Hormonstatus (LH, FSH – das sind übergeordnete Hormone, die die Regelung der Sexualhormone steuern, ferner Prolaktin, Testosteron);
  • Urinuntersuchung (Krankheitserreger, Urinzucker), gegebenenfalls Abstrich aus der Harnröhre;
  • In manchen Einrichtungen kann eine sogenannte nächtliche penile Tumeszenzmessung durchgeführt werden. Dabei werden – ähnlich wie bei einer Langzeit-EKG-Messung – die Aktivitäten des Penis über Nacht mittels Klebe-Elektroden oder Drahtringen auf einem Rekorder aufgezeichnet.
  • Eine etwas invasivere Untersuchung ist das Injizieren eines erektionsauslösenden Wirkstoffes mittels einer feinen Nadel direkt in den Schwellkörper. Unter ärztlicher Überwachung kann so getestet werden, ob der Schwellkörper selbst funktionstüchtig ist. Dies dient der Ursachenforschung (Ursache entweder im Schwellkörper selbst oder zum Beispiel in den ihn versorgenden Nerven) und hilft bei der Wahl der richtigen Therapie.
  • Verbunden werden kann die letztgenannte Untersuchung mit einem Cavernosogramm: Dabei wird über dieselbe Nadel auch ein Röntgenkontrastmittel in die Schwellkörper eingebracht. Dieses vermischt sich mit dem Blut im Schwellkörper und macht so den Abflussweg und die Abflussgeschwindigkeit des Blutes aus dem Schwellkörper im Röntgenbild sichtbar. Wird hier eine stark erhöhte Abflussgeschwindigkeit festgestellt, kann eine bestimmte Art der Gefäßoperation an der Penisbasis Abhilfe schaffen. Das eingesetzte Kontrastmittel ist übrigens ungefährlich und wird vom Körper schnell wieder aus dem Blut gefiltert und ausgeschieden.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Wie helfen Potenzmittel (Tabletten) gegen Erektionsschwäche?

Bei der normal ablaufenden Erektion (Erhärtung) des Penis laufen im Schwellkörper bestimmte biochemische Prozesse ab: Durch Stimulation über Nerven wird eine bestimmte Form eines Energieträgers produziert, die cGMP heißt. Dieses cGMP bewirkt über die Erweiterung der Blutgefäße in den Schwellkörpern einen vermehrten Ein- und einen verminderten Ausstrom des Blutes; somit kommt es zur Erektion.

PDE-Hemmer (Hemmer der Phosphodiesterase 5, eines Eiweißstoffes, der vor allem im Schwellkörper vorkommt) blockieren den Abbau des Energieträgers cGMP. Die höhere Konzentration von cGMP bewirkt beim Gesunden eine Verlängerung und Verstärkung der Erektion.

Bei Menschen mit bestimmten Formen erektiler Dysfunktion, bei denen zu wenig cGMP produziert wird, erreichen die PDE-5-Hemmer, dass die Konzentration des cGMP durch den verminderten Abbau so hoch wird, dass eine Erektion entstehen kann. Voraussetzung ist jedoch eine funktionstüchtige Nervenversorgung der Schwellkörper, damit überhaupt cGMP gebildet wird. Die Erfolgsrate hängt außerdem davon ab, ob eine organische Erkrankung, zum Beispiel Diabetes mellitus oder eine Gefäßerkrankung, dem Problem zugrunde liegt.

Unter den drei auf dem Markt verfügbaren PDE-5-Hemmern ist der Wirkstoff Vardenafil der potenteste. Tadalafil wirkt am längsten (18 Stunden Halbwertzeit) und muss daher nicht „on-demand“, also direkt vor dem Geschlechtsverkehr, genommen werden. Auch der „Klassiker“ unter den Wirkstoffen, Sildenafil, hat gute Erfolgsraten.

Das Nebenwirkungsspektrum ist bei allen Wirkstoffen ähnlich: Beobachtet wurden Kopfschmerzen, Unwohlsein, Gesichtsröte, Herz-Kreislauf-Probleme (Schwindel, Angina pectoris, Ohnmacht) sowie Sehstörungen und (bei Überdosierung) eine schmerzhafte Dauererektion (Priapismus). Diese Medikamente sollten deshalb nicht von Patienten mit Herzschwäche, erhöhtem Herzinfarktrisiko, kürzlich zurückliegendem Herzinfarkt sowie bestimmten Augenerkankungen (Retinitis pigmentosa) eingenommen werden.
Vor der Einnahme von potenzsteigernden Medikamenten sollten Männer ein vertrauliches ärztliches Gespräch mit einem Urologen führen, der gegebenenfalls auch die nötigen Untersuchungen veranlassen wird. Die Therapie sollte kontrolliert und mit niedriger Dosis begonnen werden, um eine Überdosierung mit entsprechenden unerwünschten Wirkungen zu vermeiden. Stellt sich der abgestrebte Erfolg nicht ein, kann die Behandlung mit höherer Dosis einige Male wiederholt werden.

Wichtig für den Patienten zu wissen ist, dass die Krankenkassen die relativ hohen Kosten der Medikamente meist nicht erstatten.



Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Wenn eine Arznei wirkt, ist es so gut wie nicht die Psyche?

Nein, die wechselseitige Beeinflussung (Interaktion) von körperlichen und psychischen Faktoren ist bei der Erektion so komplex, dass der Erfolg oder Misserfolg einer Einnahme der genannten Substanzart (siehe auch vorhergehende Frage) nicht ausreicht, um eine Beteiligung psychischer Ursachen an der erektilen Dysfunktion eines Patienten auszuschließen.

Allerdings kann das Medikament durchaus psychische Sperren durchbrechen, bei manchen Patienten genügt es schon, dass es in der Nachttischschublade liegt.


Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Welche weiteren Erektionshilfen gibt es außer Tabletten?

Neben den PDE-5-Hemmern (siehe Frageweiter oben), die bei erektiler Dysfunktion als Tablette eingenommen werden, gibt es auch Wirkstoffe, die direkt mit einer dünnen Nadel in den Schwellkörper injiziert werden können: durch den Arzt oder den Patienten selbst nach entsprechender Unterweisung durch den Arzt. Der Wirkstoff Alprostadil etwa bewirkt eine Erektion durch direkte Wirkung auf die Gefäße des Schwellkörpers. Damit wird oft auch bei Patienten, bei denen die Therapie mit PDE-5-Hemmern versagt hat, ein Erfolg erreicht. Alprostadil gibt es auch als kleines „Zäpfchen“, das in die Harnröhre eingeführt wird. In Studien ließ sich damit allerdings nur eine schwächere Wirkung erzielen.

Als rein mechanische Erektionshilfe ist die Vakuumpumpe weit verbreitet: Hier wird der Penis in einen Plastikzylinder eingeführt, in dem mit einer kleinen Handpumpe Unterdruck erzeugt wird. Dadurch wird Blut in die Schwellkörper gesaugt. Eine Art Gummiring, der um die Penisbasis gelegt wird, verhindert das Wiederabfließen des Blutes und hält so die Erektion aufrecht. Der Ring sollte nach spätestens 30 Minuten wieder entfernt werden, um eine normale Durchblutung des Penis zu gewährleisten. Ohne Ring schwillt der Penis wieder ab.

Es stehen mittlerweile auch verschiedene Schwellkörperprothesen aus Metallen, Silikon und Kunststoffen zur Verfügung, die entweder biegsam sind und von Hand in die richtige Form gebracht werden oder die aus einem Flüssigkeitsreservoir (füllbaren Ballons in den Schwellkörpern) und einer Art kleiner Druckpumpe im Hodensack, bestehen. Da die Implantation solcher Systeme einen großen und nicht mehr rückgängig zu machenden operativen Eingriff mit entsprechenden Risiken darstellt, sind sie bisher in Europa wenig verbreitet.


Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Wann kommt bei Erektionsschwäche Testosteron infrage?

Eine Testosteronbehandlung sollte nur dann durchgeführt werden, wenn sich im Blut tatsächlich ein Testosteronmangel nachweisen lässt. Neuere Studien zeigen, dass sich Testosteron in niedriger Dosis vor allem beim älteren Patienten positiv auf die Erektionsfähigkeit auswirken kann.


Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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www.apotheken-umschau.de; 12.06.2009, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Privat, Stockbyte

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